Die Hamburger Polizei will künftig dauerhaft Software zur Gesichtserkennung in Bild- und Videoaufnahmen einsetzen, um Personen zu identifizieren. Mit dem Programm, das seit März in der G20-Sonderkommission im Einsatz ist, können ErmittlerInnen im Nachgang einer Straftat Aufnahmen nach Personen durchforsten. Jetzt soll der Einsatz ausgeweitet werden, schreibt die taz unter Berufung auf einen Polizeisprecher.
Über die Funktionsweise des Gesichtserkennungsprogramms ist bislang wenig an die Öffentlichkeit gelangt. Laut taz kann es Gesichter in Videoaufnahmen anhand biometrischer Merkmale wiedererkennen, herausfiltern und speichern. Ob bei der Software auch eine Inverssuche zum Einsatz kommt, also der Abgleich mit vorhandenen Aufnahmen aus Polizeiakten oder Melderegistern, ist nicht bekannt. Technisch wäre das längst möglich. Von welchem Hersteller das verwendete Programm stammt, möchte die Polizei ebenso nicht sagen.
Seit letztem Jahr dürfen Polizei und Geheimdienste automatisiert auf biometrische Pass- und Ausweisdaten zugreifen. Durch den Einsatz von Gesichtserkennungsprogrammen wird Realität, wovor Datenschützer seit Einführung der biometrischen Ausweisbilder warnen: Die Gesichter der Menschen werden zu einem Identifizierungsmerkmal, das in Datenbanken landet und automatisiert analysiert werden kann.
Diese Entwicklung hält der hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar für verfassungsrechtlich bedenklich, schreibt die taz:
Die automatisierte Gesichtserkennung setzt eine möglichst große Menge personenbezogener Daten voraus. „Wenn das Verfahren dazu führt, dass von allen auf dem Bildmaterial abgebildeten Personen individuelle Gesichts-IDs erstellt werden, über die eine biometrische Analyse läuft, werden massenhaft Daten Unbeteiligter über längere Zeiträume in Datenbanken gespeichert.“ Es sei davon auszugehen, dass die Betroffenen darüber nicht informiert werden, und sich folglich auch nicht juristisch wehren können, moniert Caspar.
Wundermittel „intelligente Videotechnik“
Nicht nur in Hamburg kommt vermehrt sogenannte „intelligente Videotechnik“ zum Einsatz. Am Bahnhof Berlin-Südkreuz läuft derzeit ein Versuch mit verschiedenen Programmen – anders als in Hamburg geschieht die Erkennung allerdings in Echtzeit. Nach einer ersten Testreihe zur Gesichtserkennung erproben die Sicherheitsbehörden dort aktuell Technik zur Erkennung und Intervention bei „auffälligem Verhalten“.
Über die Gesichtserkennungsprogramme in Berlin und Hamburg sprechen die beiden JournalistInnen Katharina Schipkowski und Erik Peter auch in einer Folge des taz-Podcasts „Lokalrunde“.
